Passt, wackelt und hat Luft!

Ein passender Maulkorb ist ein wichtiger Teil des hündischen Equipments, auf den man im Alltag nicht verzichten kann. Wir zeigen, worauf es bei der Wahl des Maulkorbs und bei der Gewöhnung an diesen ankommt.

© TOW|Houdek© TOW|Houdek

Der gut sitzende Maulkorb

Nur wenn der Maulkorb wirklich gut passt, schränkt er den Hund in seinem Alltag möglichst wenig ein. Damit dies möglich ist, sollte er folgende Kriterien erfüllen:

Der Maulkorb soll

  • so tief sein, dass der Hund sein Maul komplett öffnen kann, um zu hecheln. Ein guter Anhaltspunkt ist der gähnende Hund. So weit, wie der Hund beim Gähnen das Maul aufmacht, so tief sollte der perfekte Maulkorb sein. Da Hunde zum Temperaturausgleich hecheln müssen, darf der Maulkorb die Öffnung des Fangs keinesfalls verhindern, sonst drohen Hitzestau und Kreislaufkollaps. Außerdem muss der Hund mitsamt Maulkorb trinken können.

  • nicht zu knapp an den Augen sitzen.

  • nicht am Nasenspiegel aufliegen, um Reibungsstellen zu verhindern. Er sollte gut gepolstert am Nasenrücken sitzen.

  • an den Wangen breit genug sein, um nicht einzuschneiden.

  • eine ausreichende Luftzufuhr ermöglichen, d.h. er sollte an den Seiten und vorne durch Streben geschlossen sein, die genügend Luft durch lassen.

Eine Maulschlaufe ist kein Maulkorb!

In der Praxis muss man zwei Dinge unterschieden: den klassischen Maulkorb und die Maulschlaufe. Der Maulkorb ist ein tatsächlicher „Korb“: Er besteht aus Metall, Leder, Plastik oder Biothane, hat mehr oder weniger breite Streben und ermöglicht eine gute Luftzufuhr.

Im Gegensatz dazu besteht eine Maulschlaufe aus Nylon, Stoff oder einem anderen Material und umschließt den Fang des Hundes so fest, dass dieser nicht mehr geöffnet werden kann. Wenn der Hund sein Maul nicht mehr öffnen kann, sind auch Hecheln und der damit verbundene lebensnotwendige Temperaturausgleich nicht mehr möglich. Selbst wenn der Hund sein Maul noch einen kleinen Spalt öffnen kann, ist dies viel zu wenig, um ausreichend Wärme abgeben zu können. In der Folge kommt es zu einer Übererwärmung des Körpers, die zu gravierenden Folgeschäden führen kann.

Deshalb wird die Maulschlaufe selbst bei milden Frühlingstemperaturen zu einer Gefahr für den Vierbeiner. Eine Maulschlaufe darf ausnahmslos nur bei kurzen, tierärztlichen Behandlungen verwendet werden, wenn kein passender Maulkorb zur Verfügung steht.

Das Maulkorbtraining

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Hund den Maulkorb problemlos trägt. Zunächst ist es einfach ungewohnt. Erinnern wir uns doch einmal, wie es sich angefühlt hat, zum ersten Mal ein Brille zu tragen. Setzt man dem Hund den Maulkorb einfach auf, wird dies für ihn unverständlich sein. Er wird gestresst werden und versuchen, den Maulkorb abzustreifen.

Besser ist es, Sie gewöhnen den Hund langsam und in kleinen Schritten daran, den Maulkorb zu tragen. 

Achtung: Training sollte immer individuell gestaltet werden. Die untenstehende Anleitung ist nur EINE Möglichkeit, um das Tragen des Maulkorbes für Ihren Hund angenehm zu gestalten. Es gibt viele weitere Trainingswege, die das gleiche Ergebnis erzielen und vielleicht besser zum jeweiligen Mensch-Hund-Team passen. Hat der Hund bereits schlechte Erfahrungen mit dem Tragen eines Maulkorbs gemacht (z.B. indem der Maulkorb einfach aufgesetzt wurde, ohne es vorher zu trainieren), ist es sinnvoll, das Training mit einer/m Hundetrainer/in abzusprechen.

Das Training

Beginnen Sie das Training in ruhiger Umgebung, zum Beispiel zu Hause. Bereiten Sie außerdem einige besonders leckere Futterstücke vor, die Sie für das Training benötigen werden. Bis zu Schritt 4 darf der Hund seine Schnauze jederzeit wieder aus dem Korb zurückziehen, wenn er dies möchte. Auch danach gilt, dass der Hund niemals zum Tragen des Maulkorbs gezwungen wird. Lassen Sie den Maulkorb nicht so lang an, dass der Hund versucht, ihn abzustreifen. Geschieht dies doch, wurde im Training zu schnell vorangegangen, der Hund ist noch nicht so weit. Verkürzen Sie hier die Tragedauer und machen Sie das Training einen Schritt leichter. Zusätzlich empfiehlt es sich, die vorangegangen Trainingsschritte noch besser zu üben.

1. Präsentieren Sie dem Hund den Maulkorb und lassen Sie ihn kurz erkunden.

2. Legen Sie den Maulkorb flach auf Ihre Hand und halten Sie ihn gut fest. Mit der anderen Hand legen Sie einige der vorbereiteten Futterstücke in den Korb, die der Hund hinausfressen darf. Am Anfang empfiehlt es sich, das Futter weit vorne in den Korb zu legen und es schrittweise bis ganz nach hinten zu rücken.

3. Dieser Trainingsschritt wird so lange geübt, bis der Hund seine Nase freiwillig und freudig in den Korb steckt. Sie können dies testen, indem Sie den Maulkorb einmal ohne Leckerlis präsentieren – steckt der Hund seine Schnauze freiwillig hinein? Dann können Sie mit dem nächsten Schritt beginnen. Zusätzlich darf Ihr Hund öfter mal einen Joghurtbecher auslecken. Auch so gewöhnt er sich daran, dass ein leichter Druck am Nasenbein nichts Schlimmes verheißt.

4. Wiederholen Sie den zweiten Trainingsschritt. Während der Hund seine Schnauze in den Korb steckt, kraulen/berühren Sie ihn am Hinterkopf – dort wo der Maulkorb später geschlossen wird. So führen Sie den Hund an das Gefühl heran, dass dann zum Schließen am Hinterkopf gehört. Wiederholen Sie diesen Schritt mehrmals.

5. Wiederholen Sie den zweiten Trainingsschritt. Während der Hund seine Schnauze in den Korb steckt, um die Leckerlis zu fressen, schließen Sie die Riemen am Maulkorb, öffnen sie jedoch sofort wieder. Auch diesen Schritt wiederholen Sie mehrmals.

6. Der Hund steckt nun die Schnauze freiwillig in den Korb und hat sich auch schon daran gewöhnt, dass die Schnalle geschlossen wird. Nun wird die Dauer des Tragens schrittweise erhöht. Sie öffnen die Schnalle also nicht sofort wieder, sondern lassen sie noch kurz geschlossen, während Sie dem Hund weitere Leckerlis von vorne in den Maulkorb stecken. Die Abstände zwischen den Futterstücken sollten so gewählt sein, dass der Hund gar keine Zeit hat, den Maulkorb abstreifen zu wollen.

7. Anfangs lassen Sie die Schnalle zum Beispiel 15 Sekunden geschlossen, während der Hund weiterhin Leckerlis bekommt. Funktioniert dies problemlos, dann steigern Sie die Tragezeit langsam – zum Beispiel auf 30 Sekunden. Dieses Training führen Sie so lange fort, bis der Hund den Maulkorb 5 Minuten problemlos tragen kann. Zeigt der Hund während des Trainings die Tendenz, den Maulkorb abstreifen zu wollen, dann war entweder die Tragzeit oder die Pause zwischen den Leckerlis zu lange, oder die oben genannten Trainingsschritte müssen sorgfältiger abgearbeitet werden.

8. Hat der Hund gelernt, den Maulkorb für 5 Minuten problemlos zu tragen, dann können Sie damit beginnen, das Gehen mit dem Maulkorb zu üben. Bisher fand das Training stationär statt, der Hund hat also noch nicht gelernt, sich mit dem Maulkorb zu bewegen.

9. Dazu legen Sie den Maulkorb wie gewohnt an. Danach bewegen Sie sich langsam rückwärts und locken den Hund mit freudiger Stimme dazu, Ihnen zu folgen. Für jeden gemachten Schritt gibt es ein Futterstück. Üben Sie diesen Schritt, bis der Hund 15 Schritte mit dem Maulkorb machen kann ohne Versuch, ihn abzustreifen.

10. Ihr Hund hat nun schon gelernt, den Maulkorb für eine kurze Zeit zu tragen und auch, sich damit zu bewegen. Nun gibt es weitere Faktoren, die Sie üben müssen. Bei jeder Trainingseinheit darf jedoch nur ein Faktor verändert werden!

  • Die Tragezeit des Maulkorbs wird verlängert. Kann der Hund den Maulkorb für 5 Minuten problemlos tragen, kann die Zeit auch in größeren Schritten verlängert werden, jedoch immer so, dass der Hund niemals in die Situation kommt, den Maulkorb loswerden zu wollen.

  • Die Gehzeit mit dem Maulkorb wird verlängert. Der Hund kann nun 15 Schritte gehen, während er gelockt wird. Beginnen Sie nun damit, sich mit dem Hund durch den Raum zu bewegen und ihn regelmäßig für das ruhige Tragen des Maulkorbs zu belohnen. Auch hier gilt: Die Abstände zwischen den Belohnungshäppchen müssen so gewählt werden, dass der Hund nicht die Tendenz zeigt, den Maulkorb abstreifen zu wollen.

  • Die Leckerlis werden verringert. Haben Sie zunächst bei jedem Schritt, oder alle 30 Sekunden ein Leckerli gegeben, dann wird dies nun langsam verringert. Achten Sie darauf, die Futterstücke in einem unvorhersehbaren Rhythmus zu geben, so dass der Hund nie genau weiß, wann es die Belohnung gibt.

  • Die Umgebung wird verändert. Hat Ihr Hund gelernt, den Maulkorb über einige Zeit am Stück zu tragen bzw. mehrere Schritte damit zu laufen, dann beginnen Sie, in anderer Umgebung zu trainieren: zum Beispiel auf einer anfangs ganz kurzen – und ruhigen - Strecke während eines Spaziergangs (auf der Straße, im Wald, auf Wiesen).

Redaktioneller Hinweis: Wir bedanken uns bei Jessica Berger, Tierschutzqualifizierter Hundetrainerin und Mitglied der VÖHT (Vereinigung Österreichischer HundeverhaltensTrainerInnen), für die Zurverfügungstellung dieses Textes.

 

 

Share this pageFacebookTwitterDrucken

Um Ihnen den bestmöglichen Service bieten zu können, verwendet diese Website Cookies und Services (z.B. Google Maps) von Drittanbietern. Mit der Benutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen

OK