In der Welpenstube

Um zu wissen, was Sie Ihrem Hund zutrauen und ihm lehren können, ist es wichtig, die Entwicklungsphasen zu kennen. Im Welpenalter werden die Weichen fürs spätere Leben gelegt.

© TOW|Brigitta Pertschy© TOW|Brigitta Pertschy

Der Welpe und seine Sozialisation

Die ersten zwei Wochen ihres Lebens verbringen Welpen meist schlafend mit ihren Wurfgeschwistern eng beisammen in der Wurfkiste. Zu diesem Zeitpunkt sind sie taub und blind. In der dritten Woche öffnen sich die Ohren und die Augen der Welpen. In dieser Phase werden erste Kontakte mit der restlichen Umwelt um das Wurflager herum möglich.

Richtig spannend wird es ab der vierten Woche: Dann beginnt die Sozialisierungsphase - eine der sensibelsten Phasen in der Entwicklung des Hundes. Der Welpe ist in dieser Phase Neuem gegenüber sehr offen. Er lernt, was zu seiner alltäglichen Umwelt gehört, und hat vor diesen Dingen später keine Angst mehr. Er erfährt auch, wer zum sozialen Umfeld gehört, wie zum Beispiel Katzen, Pferde, Kinder oder ältere Menschen. Lebewesen oder Dinge, die der Hund in dieser Entwicklungsphase nicht kennen lernt, fürchtet er später mit größerer Wahrscheinlichkeit, als wenn er im Welpenalter sorgsam an sie herangeführt wird.

Welpen sollten erst ab einem Alter von neun Wochen von der Mutter getrennt werden. Es ist daher wichtig, dass der junge Hund dort, wo er seine ersten Lebenswochen verbracht hat, bereits erste positive Erlebnisse sammeln konnte. Wurde diese Phase nicht genutzt oder hat der Welpe schlechte Erfahrungen machen müssen, so prägt ihn dies für das gesamte Leben.

Optimalerweise sollten die Welpen in dieser Phase behutsam mit Geräuschen und optischen Reizen konfrontiert werden, mit verschiedensten Menschen, Hunden und anderen Tieren spielerischen Kontakt haben und gute Erfahrungen sammeln, ohne dabei überfordert zu werden.

Welpen sollten lernen,

  • dass es nach Rasse, Größe, Farbe, Geschlecht, Alter und Temperament unterschiedliche Hunde gibt.
  • dass es auch andere Tierarten gibt, die ebenso Spielkameraden sein können, beispielsweise Katzen.
  • dass Menschen sich im Aussehen, im Geruch, in der Kleidung, in der Art der Bewegung etc. unterscheiden. An Kinder muss der Hund eigens gewöhnt werden.
  • dass weder verschiedene Geräusche, wie der Staubsauger oder Straßenlärm, noch optische Reize, wie das Aufspannen eines Regenschirms, beängstigend sind.
    sich an Alltagssituationen zu gewöhnen wie z.B. Lift- und Autofahren, das Mitfahren in öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch das Bewegen auf unterschiedlichen Untergründen wie Asphalt, unbefestigten Wegen, Wiesen etc.
  • das Bürsten oder kurze Festhalten, das Anheben der Pfoten, die Zahnkontrolle oder die Ohrenreinigung positiv zu erleben.
  • dass es einen Maulkorb gibt und dieser etwas Positives ist (Tipp: Leckerlis in den Maulkorb geben ohne ihn zuzumachen, zuerst ganz kurz und später länger drauflassen).

Bitte achten Sie darauf, den Welpen nicht zu überfordern und ihn behutsam an die Welt heranzuführen.

Abgesehen von neuen Erfahrungen ist es auch wichtig, dass der Welpe die sogenannte „Beißhemmung“ erlernt. Wenn der Welpe im Spiel zu fest zwickt, „winseln“ Sie kurz und sehr hoch auf. Unterbrechen Sie sofort das Spiel. Ihr Hund lernt, dass Sie das Spiel beenden, sobald er zu grob wird.

Aus diesem Grund sollte man gerade jungen Hunden kein Quietschspielzeug geben. Dieses Geräusch ist ähnlich dem Aufjaulen, das den Hund normalerweise davon abhält, weiterzumachen. Quietschspielzeug trainiert somit den jungen Hund ungewollt darauf, Schmerzlaute zu ignorieren und weiter zuzubeißen. Besser sind Taue oder stabiles Spielzeug aus Naturkautschuk ebenso wie Kausachen.

Optimal ist es, wenn Sie mit Ihrem Welpen sogenannte Prägungsspieltage besuchen können. Bei Welpengruppen ist jedoch besonders darauf zu achten, dass es kleine Gruppen sind (4-6 Hunde) und die Hunde getrennt werden, wenn es zu wild zugeht! Ist dies nicht der Fall, lernt der Hund entweder andere Hunde zu fürchten oder aber sich selbst zu verteidigen und sich anderen Hunden gegenüber abwehrbereit oder aggressiv zu verhalten – bei einem erwachsenen 50 Kilogramm schweren Rüden keine spaßige Angelegenheit.

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